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Macht Fett fett?

Die große Angst beim Barfen

Fett ist, genau wie Proteine und Kohlehydrate, eine Energiequelle für den Körper. Während letztere jeweils 4 kcal pro g liefern, liefert Fett sogar 9 kcal pro g.

Das ist auch der Grund, warum Fett bei uns Menschen ein eher schlechtes Image hat. Unser Verdauungssystem ist gut auf die langfristige Verdauung von komplexen Kohlehydraten ausgelegt, welche uns zusammen mit Proteinen unsere Hauptenergie liefern. Enthält unser Essen dann zusätzlich zu vielen Kohlehydraten (z.B. Zucker) auch noch viel schnell verfügbares Fett (z.B. in Süßigkeiten), landet dieses quasi direkt im Speicher für die schlechten Zeiten auf den Hüften, denn wir brauchen es eigentlich gar nicht.
Beziehungsweise das schnell verfügbare Fett wird verbraucht und die Kalorien aus den Kohlehydraten welche mit der Zeit frei werden (man denke an den Teller Nudeln vor dem Sport), werden dann nicht mehr gebraucht und vom Körper in Fett umgewandelt und in die Polster gepackt.

Warum brauchen Fleischfresser mehr Fett?

Auch wir Menschen brauchen die Fettsäuren und schnell verfügbare Energie aus Fett für unseren Stoffwechsel, nur enthält unser Essen oft mehr Fett als wir benötigen.

Hunde und Katzen sind als Fleischfresser enzymatisch für die Verdauung von Proteinen und Fetten besser ausgestattet, während sie weniger mit Kohlehydraten anfangen können als wir.

 

Die Verstoffwechslung von Proteinen liefert aber zum einen nicht so viel Energie, zum anderen fallen dabei auch harnpflichtige Stoffe an welche die Niere aus dem Blut filtern muss.

Füttert man nun als Hauptenergieträger nur Proteine (z.B. das typische magere Rindfleisch) und Kohlehydrate (z.B. Getreide), braucht das Tier davon sehr viel um seinen Erhaltungsstoffwechsel aufrecht erhalten zu können (= große Futtermengen). Diese Mengen an dabei entstehendem Ammoniak und anderen harnpflichtigen Stoffen belasten die Nieren und sind der Grund für die Angst vor einer Niereninsuffizienz durch eine Barf-Fütterung, welche oft als Vorurteil von Tierärzten genannt werden.

Wieviel Fett sollte es denn nun sein?

Bei einer gesunden Barf-Fütterung muss das Fleisch einen Fettgehalt für einen Hund zwischen 15% und 25% haben. Katzen mögen Fett oft sehr gerne und können als reine Fleischfresser auch mit noch höheren Fettmengen umgehen. Hier sind Mengen bis zu 30% der Muskelfleischmenge (nicht Futtermenge!!!) möglich.

Durch die schnelle Aufzucht der Schlachttiere ist das Fleisch in der Regel aber wenig durchwachsen, deshalb muss man Fett meistens ersetzen oder regelmäßig zu fetten Sorten greifen. Hier hilft es den durchschnittlichen Fettgehalt (z.B. Rind mit 5%, Lamm mit 25% Huhn mit 3%, Lachs mit 23%...) des gefütterten Fleisches über einen Zeitraum auszurechnen und diesen wenn nötig anzupassen.

 

Dazu rechnet man die benötigte Fettmenge aus und reduziert den Anteil an Muskelfleisch um die entsprechende Menge.

 

Hat man das ein paar mal gemacht, lässt sich die Menge dann meist leicht schätzen, hier kommt es nicht auf's Gramm an, es sei denn der Hund soll abnehmen.


Fettmenge berechnen

Die enthaltene Fettmenge muss bei jedem Futtermittel, so auch bei Barf-Fleisch, in den analytischen Bestandteilen angegeben sein.

  1. So hat klassisches Gulasch (mageres Rindfleisch in Stücken) nur 1,4% Fett.
  2. Pro 100g Fleisch sind also 1,4g Fett enthalten.
  3. Das Fleisch sollte mindestens 15g Fett pro 100g Fleisch enthalten.
  4. 15 - 1,4 = 13,6g
  5. Es müssen 13,6g Fett ergänzt und diese Menge vom Muskelfleisch (100g -13,6g = 86,4g) abgezogen werden.
  6. Man füttert also 86g Fleisch und 14g Fett anstelle von 100g magerem Fleisch.

Je nachdem wie mager das Fleisch und wie hoch der Bedarf ist kann es auch schon reichen 2-4 mal wöchentlich fette Sorten wie Lamm, Ziege oder Lachs mit 25% oder mehr Fett zu füttern.


Welches Fett kann man nehmen?

Am Besten ist ein tierisches Fett, in Ausnahmen kann man aber auch ein bestimmtes pflanzliches Fett nehmen:

  • tierische Fette (z.B. Rinderfett, Lammfett, Entenfett, Pferdefett), gibts im Barf-Shop und inzwischen auch in für Allergikern geeigneten Sorten. Sie sind meist leicht portioniertbar.
  • Schmalz (wenn nichts anderes da ist)
  • Butter (nur bei Katzen, wenn sie nichts anderes nehmen oder um zusätzlich den Geschmack zu verstärken)
  • Kokosöl
    manche Tiere mit Pankreasinsuffizienz vertragen es besser, es sollte aber für gesunde Hunde kein Ersatz sein, denn die Fettsäurenzusammensetzung ist nicht optimal und in großen Mengen kann es Brechreiz auslösen; lieber nur zusätzlich zur Entwurmung

Wichtig ist die gesättigten Fettsäuren aus den genannten Fetten mit ungesättigten Fettsäuren auszugleichen um Lipidperoxidation und somit die Bildung von freien Radikalen zu vermeiden. Das geht z.B. mit Lachsöl oder Fischölen, also Ölen welche einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren haben. Diese Öle sollten zusätzlich Vitamin E enthalten, zum Einen zur natürlichen Konservierung (ungesättigte Fettsäuren werden schnell ranzig), zum Anderen weil der Vitamin-E-Bedarf mit steigendem Fettgehalt steigt.

Lachsölkapseln zum Ausgleich der gesättigten Fettsäuren
Lachsölkapseln zum Ausgleich der gesättigten Fettsäuren

Wird mein Tier jetzt dick?

Ganz klar NEIN - eher genau im Gegenteil. Das Fett liefert dem Tier genügend Energie für seinen Erhaltungsstoffwechsel und entlastet die Nieren. Oft reichen Hunden ohne einen entsprechenden Fettgehalt die normalen Futtermengen nicht. Sie liegen prozentual deutlich über dem was eigentlich empfohlen ist und nehmen trotzdem ab, das ist ein klares Zeichen für einen Fettmangel. Und auch Hunde die abnehmen sollen dürfen nicht komplett fettarm ernährt werden, denn sie brauchen die Energie aus dem Fett um die eigenen Reserven anknabbern zu können. Bekommt der Körper kein Fett, geht er erst im allerletzten Moment an seine Reserven, bis dahin sind die Nieren und die Leber aber schon stark belastet worden und das Tier hat schlecht bis gar nicht abgenommen.

Worauf muss ich achten?

Bitte nicht einfach den Fettgehalt hochschrauben!

  1. Der Körper muss sich langsam an den höheren Fettgehalt gewöhnen und die benötigte Enzymmenge anpassen können, andernfalls riskiert man Durchfall und eine Bauchspeicheldrüsenentzündung.
  2. Bitte unbedingt die Fleischmenge entsprechend reduzieren, ggf. auch die gesamte Futtermenge reduzieren, wenn diese vorher hochgeschraubt wurde, ansonsten wird das Tier wirklich dick.
  3. Fleischmenge nicht mit Futtermenge verwechseln!
    • Beispiel Futtermenge 400g (2% bei 20kg) = 60g Fett
    • Beispiel Fleischmenge 256g (2% bei 20kg) = 38,4g Fett
  4. Fettmenge dem Bedarf und der Aktivität anpassen, manchen Tieren genügen 15% (der kastrierte Opi), andere brauchen 25% (der Schlittenhund im Training); übrigens hat hier auch die Läufigkeit der Hündin auf beide Geschlechter Einfluss.

 

Im Zweifel lassen Sie einfach Ihre Ration überprüfen oder ich fertige ihnen einen passenden Barfplan an.

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