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Hundemantel ja oder nein?

Zwischen Chi Chi und Notwendigkeit

 

Ich gebe ja zu: ich ernte, sagen wir, „interessante“ Blicke, wenn ich mit Yuki im Mantel losziehe. Die Standardfrage (oder eher -vorwurf) lautet dann:

 

„Bei dem dicken Fell braucht der Hund doch keinen Mantel! ... ?“

 

Meine Standardantwort lautet: „Doch, leider schon!“

 

Ich habe ihr vor 4 Jahren schon ihren ersten, damals noch recht dünnen Softshellmantel geschenkt. Damals sollte ihre seit Geburt an kranke Hüfte einfach nicht zu sehr auskühlen, wenn sie draußen in der Kälte rum liegt, was sie einfach liebt.

 

Zum Spazierengehen hatte sie den Mantel dann nur an, wenn es geregnet oder geschneit hat – aus Frauchens Eigennutz nicht die ganze Wohnung wegen dreckigem Hund wieder putzen zu müssen.

 

 

So kamen wir erstmal ganz gut klar – dachte ich.

 

2019 hatte sie dann im Dezember ihre Goldakupunktur, die mit einem rasierten Rücken und ganz langsamen Aufbautraining einher ging. Damit die Muskulatur und Haut im fiesen Winterwind und -regen nicht sofort auskühlt, war also Manteltime angesagt, diesmal mit einem kuscheligen Wintermantel.

 

 

Und es tat ihr unglaublich gut. Zusammen mit der Goldakupunktur wurde sie richtig beweglich und entspannt.

 


 

Und deshalb gab es für diesen Winter einen schicken neuen Mantel. Wasserdicht, warm, ohne Klettverschluss und mit Durchgriff für ihr Geschirr. Seitdem geht es fast nicht mehr ohne Mantel raus. Aus 2 Hauptgründen:

 

  1. Yuki hat aktuell Schmerzen und ohne Mantel läuft sie noch deutlich schlechter als mit. Sie fordert den Mantel ab und zu auch aktiv ein, wenn sie merkt, dass ich mich für eine längere Runde fertig mache. Sie braucht ihn also wirklich, weil die Muskulatur dann geschmeidiger und schmerzfreier bleibt. Der dünne Mantel hat nicht die gleiche Wirkung.
  2. Es ist schlammig. Yuki saugt Schlamm magisch auf. -> Katrin hat keinen Bock ständig zu putzen. Der Mantel hält ¾ des Yuki-Unterbodens schlammfrei. Der Rest ist so gekürzt, dass wir zumindest einen annehmbaren Dreckzustand in einer Hundewohnung mit Saugroboter erreichen können.

 

 

Außerdem hat Yuki einen Bademantel bekommen. Seit der Goldakupunktur geht’s regelmäßig alle 4-6 Wochen aufs Unterwasserlaufband. Im Sommer willkommene Abkühlung. Im Winter genau das Gegenteil – aber im kalten Auto wird sie mir nach der Therapie dann zu schnell kalt und ich habe die ganze Feuchtigkeit als beschlagene Scheiben gespeichert. Der Bademantel regelt 😉

 


Wann brauchen wir einen Hundemantel?

Wenn dein Hund friert!

Hunde mit wenig oder ohne Unterwolle wie Pinscher, Dobermann oder Weimaraner frieren schneller. Genauso wie Hunde mit kurzen Beinen, wie z.B. Dackel, die einfach näher am kalten, ggf. nassen Boden sind. Aber auch Hunde mit Unterwolle wie Yuki, die den Großteil ihrer Zeit in der schönen warmen Wohnung verbringen, frieren draußen schneller, denn für diese Temperaturunterschiede ist der natürliche Mantel dann nicht ausgelegt. Das gleiche gilt übrigens auch, wenn dein Hund bisher nur spanische oder griechische „Winter“ kennt.

 

Dass dein Hund friert kannst du am Gang erkennen, denn meistens laufen die Hunde verspannter und steif, ziehen den Rücken und den Bauch hoch, manchmal klemmen sie auch den Schwanz ein. Wenn der Hund deutlich zittert kann es eindeutiger nicht sein, genauso wenn er bei kaltem Wetter lieber nicht raus will.

Je nachdem wie alt dein Hund ist, kann ein Hundemantel sinnvoll sein!

Welpen haben noch keine dicke Unterwolle und auch ihr Immunsystem ist noch nicht so gut trainiert, dass es mit sehr starken Temperaturschwankungen gut zurechtkommt. Genauso geht es alten Tieren. Wie auch alte Menschen oft schneller frieren, weil die Durchblutung einfach nicht mehr die beste ist und es hier und da ohnehin schon zwickt, freuen sich auch viele Seniorenhunde über einen wärmenden Mantel, der die eigene Körperwärme und somit die Geschmeidigkeit der Muskulatur erhält.

Wenn dein Hund krank ist!

Die Krankheit muss man dem Hund nicht ansehen. Wenn Yuki gut drauf und schmerzfrei ist würde niemand erahnen wie katastrophal ihre Hüftpfannen und -Köpfe aussehen. Das ändert aber nichts daran, dass dem so ist, inkl. der daraus folgenden Wirbelsäulenprobleme und Muskelverspannungen. Ich kenne es von mir selbst wie steif und schmerzhaft die Gelenke und die Muskulatur bei Kälte werden, nicht anders geht es den Tieren. Alten Katzen übrigens auch, nur dürfen die meist auf der Couch liegen bleiben und werden nicht gassi gescheucht.

  • Gelenkprobleme wie Arthrose, ED, HD, Spondylose, alte Verletzungen wie Brüche…
  • Muskelverspannungen, steife Muskulatur, Muskelschwund (als Alterserscheinung oder als Folge von Gelenkerkrankungen)
  • Nierenprobleme
  • Andere Organschwächen

Gerade bei den letzten beiden Punkten denkt man nicht direkt an einen Hundemantel, aber die Energie, die er Körper dadurch spart, dass er weniger Wärme verliert, kann Wunder im Wohlbefinden bewirken.

Wenn dein Hund arbeitet!

Sei es Jagd oder Hundesport. In den Trainingspausen hilft ein Mantel die Muskulatur warm zu halten. Auch menschliche Sportler ziehen sich etwas über, wenn sie aus der aktiven Belastung gehen, das dient dem Schutz der Muskulatur und minimiert das Verletzungsrisiko! Ein Bademantel kann z.B. nach dem Bad im See oder der Physiotherapie helfen den Hund schnell zu trocknen.


Welche Mantelarten gibt es?

Kurz gesagt, es gibt alles und nichts!

  • Bademantel
  • Wintermantel
  • Regenjacke
  • Overall
  • Strickpulli
  •  

Was man hier braucht hängt davon ab, was man damit erreichen will.

Du wohnst am Feld oder gehst gerne in den Wald und dein Hund kommt immer als kleines Schlammmonster nach Hause in die Wohnung zurück? Dann hilft ein Bademantel deine Einrichtung zu schützen, bis du deinen Hund in die Dusche bugsiert hast oder er trocken genug zum Auskämmen ist.

 

Du willst generell keinen Schlamm am Hund? Ganz klar ein Regenganzkörperoverall. Ja, die gibt’s wirklich.

 

Du willst den Rücken und die Muskulatur warmhalten. Auf jeden Fall eine winddichte Jacke. Je nach Wärmebedürfnis deines Hundes nur Softshell oder ein Regenmantel bis hin zu einem gefütterten Wintermantel.

 

Ob du einen Mantel oder einen Overall brauchst hängt vom Bedürfnis deines Hundes ab. Ein Hund mit starker Ellbogenarthrose freut sich, wenn der Ellbogen trocken und warm bleibt, beachte aber, dass die Bewegungsfreiheit bei einem Mantel ohne Beine besser ist und die Beine deinen Hund auch irritieren könnten.



Worauf solltest Du beim Kauf achten?

Wie gesagt, zuerst einmal musst Du herausfinden welche Bedürfnisse dein Hund (und auch du) an einen Mantel hat.

 

Ein paar Tipps aus meiner Erfahrung kann ich Dir aber geben:

  • Wie lässt sich der Mantel waschen? Waschmaschine ist ein Muss!
  • Geschirr oder Halsband? Denke an das Loch an der richtigen Stelle, damit du den Mantel einfach übers Geschirr ziehen kannst, damit das weiterhin optimal sitzt.
  • Klettverschluss oder Clip? Bei Yukis Fell und Aktivität ist ein Klettverschluss z.B. suboptimal, weil er laufend zu sitzt (mit Fell und Dreck) und dann nicht mehr hält. Den Mantel mit Klett hat sie jetzt zum Rumliegen im Kalten.
  • Beinschlaufen oder Schwanzschlaufe? Yukis jetziger Mantel hat Beinschlaufen, die filzen bei ihr im Nassen flott ein. Dazu läuft sie in Schonhaltung bei Schmerzen so ungleich, dass der Mantel zu einer Seite runterrutscht und ich ihn ständig richten muss. Wir werden noch eine Schwanzschlaufe nachrüsten, die den Mantel mittig hält und nicht so einfilzt.
  • Genau messen und lieber etwas zu groß als zu klein kaufen! Yuki trägt 2 Nummern zu groß, damit auch die Schwanzwurzel, Knie und Ellbogen abgedeckt sind, die Gelenke, die bei ihr jetzt oder in Zukunft Ärger machen.
  • Probiere die Mäntel an! Worin fühlt sich dein Hund wohl? Pepper hat z.B. für ihren langen Hals einen extra Schlauchschal in ihrem Mantel, den man ihr bei Wind bis über die Ohren ziehen kann. Sie liebt das.
  • Bewegungsfreiheit! Dein Hund muss uneingeschränkt darin laufen können und vor allem die Vorderbeine müssen ihren natürlichen Raumgriff haben. Auch deshalb bitte anprobieren und Probelaufen.

Grundsätzlich sehe ich es inzwischen so, lieber einmal mehr einen Mantel als einmal zu wenig. Vor allem bei geschwächten Tieren! Du kannst damit nichts falsch machen und dein Hund wird dir schnell zeigen, ob es für ihn passt.

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