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Blasenentzündung und Harngries bei der Katze

Die Tage schlief Tom wieder mal in Katrins Bett. Das macht er äußerst selten, eigentlich immer nur dann, wenn es ihm nicht gut geht. Oft finde ich ihn nach Revierkämpfen mit eitrigen Bisswunden dann eingemummelt in Katrins Duft in unserm Zimmer, darauf wartend, dass sie ihm hilft.
Also wurde erstmal obligatorisch der ganze Kater abgesucht, doch gefunden hat Katrin nur die abgeheilten Reste der letzten Schlacht...

 

Hochgenommen werden wollte er nicht, am Bauch berührt werden schon gar nicht und Druck auf dem Rücken fand er auch doof. Da er Freigänger ist und das Katzenklo meidet wie der Teufel das Weihwasser, wusste Katrin natürlich nicht, wie es bei ihm um das Pinkeln bestellt ist.

 

Da er diese Symptome aber vor Jahren wohl schon mal gezeigt hatte und das jetzt genau „sein“ Wetter ist, nass-kalt, windig und auf rheinisch einfach usselig, war Katrin ziemlich schnell klar, dass es nur eine Blasenentzündung sein kann.

 

 

Kommt man an Urin heran, kann man zusätzlich noch prüfen ob Blut und Eiweiße im Urin sind, was den Verdacht auf eine Blasenentzündung bestätigen würde. Außerdem kann man mit dem Mikroskop gucken, was alles im Urin rumschwirrt.

 

Katrin hat mir erklärt, dass Katzen mit Blasenentzündung in der Regel noch ganz normal fressen und auch kein Fieber haben, erst wenn die Entzündung sehr stark oder schon in die Nieren aufgestiegen ist, zeigt die Katze auch gestörtes Allgemeinbefinden.

 

 

Bei Katzen gibt es unterschiedliche Auslöser für eine Blasenentzündung. Selten und damit ganz im Gegensatz zum Menschen oder mir, spielt bei der Katze eine bakterielle Infektion eine Rolle. Häufig sind der Auslöser Harnkristalle, die dann die Blasenwand beschädigen und dadurch zu Infektionen führen. Bei der Katze spielt auch die ideopathsiche Blasenentzündung eine große Rolle. Dazu neigt auch Tom. Bei dieser Form ist klinisch keine Ursache erkennbar, es sind also weder eine Infektion noch Harnkristalle nachweisbar. Das Tier hat einfach eine Blasenentzündung ohne Ursache.

 

 

Ohne Ursache kann natürlich nicht stimmen, dass man klinisch keine Ursache feststellen kann, ist ja nicht gleichbedeutend damit, dass es keine gibt. Zum einen treten diese Arten der Entzündungen häufig im Winter (Wasser) bzw. im Wechsel von Herbst (Metall) zu Winter (Wasser) oder von Winter (Wasser) zu Frühling (Holz) auf, zum anderen scheint auch persönlicher Stress ein Auslöser zu sein. Bei Tom traf diesmal wieder beides zu: Zum einen war gerade der Wetterumschwung von Frost zu wärmeren Temperaturen und auch die Natur und die zurückkommenden Vögel kündigen schon den Wechsel des Elementes an. Zum anderen beschäftigte sich sein bester Menschenfreund schon gedanklich mit dem Kofferpacken für einen langen Auslandsaufenthalt. Vor allem letzteres ist für unser Sensibelchen ein kleines Drama. Katrin hat übrigens zu dem Wechsel der Elemente schon mal was geschrieben.

 

 

Aber was nun tun?

 

Als Erste-Hilfe-Maßnahme bei einer Blasenentzündung gilt das gleiche wie beim Menschen und bei mir: viel trinken. Für die Katze bedeutet das kein Trockenfutter, das Nassfutter mit einem Schuss Wasser anreichern, Wasser zur freien Verfügung stellen, evtl. einen Trinkbrunnen installieren und ggf. das Wasser in Form von Brühe schmackhafter machen.

 

 

Bei einer Entzündung ist der Urin in der Regel basisch, wodurch sich zum einen Bakterien dort dann recht wohl fühlen und sich zum anderen Struvit-Kristalle bilden können. Daher sollte der Urin wieder angesäuert werden, zusammen mit der Durchspülung der Blase wird diese dann gut desinfiziert und die Entzündung geht zurück. Ansäuern kann man den Katzen-Urin (beim Hundeurin gilt übrigens das gleiche) am besten mit frischem Fleisch und generell einem hohen Fleischanteil im Futter (min 80-90%). Zusätzlich kann man dem Tier auch noch Hagebuttenschalenpulver unterjubeln, welches durch seinen Vitamin-C-Gehalt den Urin-PH senkt. Feinschmecker wie Tom sind davon allerdings oft wenig begeistert, wobei ich das ja recht lecker finde. Grünlippmuschelpulver kann generell zur Vorbeugung genutzt werden, weil es auch einen positiven Einfluss auf die Blasenwand nimmt, vielleicht hatte ich ja deshalb noch nie eine. Silberwasser im Trinkwasser hat bei Tom in diesem leichten Fall aber ausgereicht.

Dann sollte generell nachgehalten werden, ob die Katze oder der Kater Harnkristalle hat. Denn vor allem für Kater können Harnkristalle ab einer bestimmten Größe auch lebensbedrohlich werden. Struvitkristalle bilden sich in zu basischem Urin, der oft durch eine zu pflanzliche Nahrung oder immer wiederkehrende Entzündungen zustande kommt. Ihr großer Vorteil ist, dass sie sich wieder auflösen, wenn der Urin wieder saurer wird. Bis zu einer gewissen Größe lassen sich Struvit-Kristalle so über die Ernährung auch wieder beseitigen.
Calcium-Oxalatsteine bilden sich in zu saurem Urin wenn gleichzeitig ein Überangebot an Calcium (Milch) oder Oxalsäure (bestimmte Gemüsesorten) vorhanden ist. Die lösen sich leider nicht mehr auf und müssen ggf. operativ entfernt werden.

 

 

Die Besonderheit bei Katern, warum Harnsteine für sie Lebensbedrohlich werden können, ist, dass Kater einen Knochen im Penis haben. In diesem Knochen ist ein kleines Loch für die Harnröhre. Wenn der Kristall jetzt größer als das Loch ist, bleibt er an dieser Stelle stecken und 2 Dinge passieren. Zum einen kann die Harnröhre an dieser Stelle verletzt werden. Zum anderen staut sich der weiterhin gebildete Urin in der Blase auf. Diese kann platzen oder der Urin staut sich bis in die Nieren zurück und verursacht ein akutes Nierenversagen.

 

Ein Kater, bei dem also Harnkristalle festgestellt wurden (durch eine mikroskopische Untersuchung, die ich in der Praxis z.B. auch anbiete), sollte unbedingt einem Tierarzt vorgestellt werden wenn er nicht mehr richtig pinkeln kann. Der Tierarzt kann per Ultraschall und durch das Schieben eines Katheters feststellen ob die Harnröhre verstopft und wie stark die Blase gefüllt ist, er kann im Notfall den Urin durch eine Punktion aus der Blase ablassen und den Druck verringern und den Kristall operativ entfernen.

 

 

Generell sollte man also bei Blasenproblemen und Harnkristallen einmal die Fütterung auf den Prüfstand stellen und gleichzeitig auch schauen, welche anderen Umgebungsfaktoren noch Auslöser sein könnten. Eine akute Blasenentzündung kann man je nach Ursache gut mit Phytotherapie, Homöopathie oder Akupunktur behandeln, je nach Stärke kann auch der Einsatz von einem Antibiotikum notwendig sein.

 

 

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